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Dissertation Original

Städte wirken also, mit Richard NEUTRA zu sprechen, als Psychotope. Sie stellen ein Stück der Selbstvergewisserung für den dar, der dieser Stadt mit verdankt, was er ist. Deshalb wird die Stadt, wenn sie in Ordnung ist, zum Lieblingsobjekt ihrer Bürger, Ausdruck einer umfassenden, Generationen umspannenden Gestaltungs- und Lebenskraft; sie besitzt eine Jugend, unzerstörbarer als die der Geschlechter, ein Alter, das länger dauert als das der Einzelnen, die in ihr aufwachsen. Die Stadt wird, wenn sie in Ordnung ist, zur tröstlichen Umhüllung in Stunden der Verzweiflung und zur strahlenden Szenerie in festlichen Tagen. Oder wir übertragen unsere Enttäuschungen auf dieses Gebilde, als seien sie von ihr, der Stadt verschuldet; kehren ihr den Rücken zu, entfremden uns ihr.

Unbestreitbar ist jene Neigung, die einer Stadt entgegengebracht wird, oder einem Quartier, einem entlegenen Winkel in ihr, ein Ergebnis psychologischer, nämlich affektiver Prozesse. Wenn sie in Ordnung ist, wird die Stadt zum Liebesobjekt ihrer Bürger. Sie ist ein Ausdruck einer kollektiven, Generationen umspannenden Gestaltungs- und Lebenskraft; sie besitzt eine Jugend, unzerstörbarer als die der Geschlechter, ein Alter, das länger dauert als das der Einzelnen, die hier aufwachsen. Die Stadt wird zur tröstlichen Umhüllung in Stunden der Verzweiflung und zur strahlenden Szenerie in festlichen Tagen. In diesem Aufblühen und Stagnieren, in wiederholten Anläufen, ihre Nachbarstädte zu überflügeln, verwirklicht sich im städtischen Leben immer mehr als nur die männliche Potenz; die Stadt repräsentiert in einer Vielheit ihrer Funktionen eine ältere als die väterliche Welt. In ihren großen Exemplen ist sie unverhüllt eine Muttergeliebte. Ein Wesen, dem man verfallen ist, von dem man nicht loskommen kann; man bleibt ewig ihr Kind oder ihr zärticher Besucher. Oder wir übertragen unsere Enttäuschungen auf dieses Gebilde, als seinen sie von ihr, der Stadt verschuldet; kehren ihr den Rücken zu, entfremden uns von ihr.

Übernommen aus: Alexander Mitscherlich, Die Unwirklichkeit unserer Städte, Frankfurt/M. 1965, S. 31, hier zitiert nach: Ulrike Sals, Die Biographie der "Hure Babylon". Studien zur Intertextualität der Babylon-Text in der Bibel, Tübingen 2004, S. 28 (Link 1) sowie Thomas Knappstein, Die Bedeutung von Symbolen in städtischen Lebenswelten. Angebote der hermeneutischen Methode des Therapeuthischen Sandspiels. Diss. Uni Erlangen 2002, Dortmund 2002, Fußnote 119 (Link 2). Mitscherlich taucht zwar in der Bibliographie auf; die teils wörtliche, teils geringfügig bearbeitete Übernahme ist jedoch an dieser Stelle nicht gekennzeichnet. Die Übernahme muss noch anhand der Print-Ausgabe Mitscherlichs von 1965 verifiziert werden.

Link 1: http://books.google.de/books?id=EPbjZRdEZhgC&pg=RA1-PA28&lpg=RA1-PA28&dq=%22kehren+ihr+den+R%C3%BCcken+zu,+entfremden+uns+ihr.%22&source=bl&ots=7hXWBNel81&sig=5RLhJms7B-KEf54lHwJSbXUW71M&hl=de&ei=IMyMTezMGYabhQfZ4IimCw&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=1&ved=0CBkQ6AEwAA#v=onepage&q=%22kehren%20ihr%20den%20R%C3%BCcken%20zu%2C%20entfremden%20uns%20ihr.%22&f=false

Link 2: https://eldorado.tu-dortmund.de/bitstream/2003/2855/2/knappsteinunt.pdf.txt bzw. https://eldorado.tu-dortmund.de/bitstream/2003/2855/1/knappsteinunt.pdf

Dokumentiert in: http://othes.univie.ac.at/13491/1/AHB-Hahn.pdf

AnmerkungenBearbeiten

Fußnoten:

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