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Initiative Transparente Wissenschaft

Brief der "Initiative doktorat.at - Österreichs junge WissenschafterInnen"

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doktorat.at – Österreichs junge WissenschafterInnen

Josefstädterstr. 32/17, 1080 Wien

Verein doktorat.at

http://www.doktorat.at

Mag.a Gülay Ates

Präsidentin

Wien, am Samstag, 2. April 2011

Unterstützung Initiative Transparente Wissenschaft


Sehr geehrte Proponenten der Initiative Transparente Wissenschaft!

Sehr geehrte Damen und Herren!


Im Interesse aller, die mit wissenschaftlichem Eifer, Genauigkeit und Ehrlichkeit an Ihrer Dissertation arbeiten (und das ist die sehr große Mehrheit aller DoktorandInnen!) begrüßen wir Ihre Initiative, Bewusstsein für wissenschaftliche Integrität zu schaffen und echte Transparenz an den Universitäten einzumahnen.

‚doktorat.at – Österreichs Junge WissenschafterInnen‘ ist die offene, bundesweite Interessensvertretung für DoktorandInnen und NachwuchsforscherInnen.

Gerne unterstützen wir den offenen Brief an die Bundesministerin für Wissenschaft und Forschung, mit einem Vorbehalt:

Der Satz "Schließlich möchten wir, dass das Doktoratsstudium in Zukunft primär jenen vorbehalten ist, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben" ist problematisch (nicht aber die nachfolgende Argumentation).

Denn es ist sehr wohl sinnvoll, dass auch Personen sich für ein Doktorat entscheiden, die für eine Zeit lange wissenschaftlich arbeiten wollen, aber schon sehr stark für nachher auch eine Karriere außerhalb der Wissenschaft im Auge haben. Wichtig ist, dass die Dissertation eine saubere wissenschaftliche Arbeit ist und DoktorandInnen als ForscherInnen angesehen werden. Wissenschaft ist für DoktorandInnen eine wichtige Option für ihre zukünftige Karriere, aber eben nur eine Option. Welche Karriereoptionen sie anstreben, soll ihre private Entscheidung bleiben.

Weiter soll noch angemerkt werden, dass wissenschaftliches Fehlverhalten nicht nur alleine auf Ebene der Dissertation vorkommt, und das Thema wissenschaftliche Integrität in Österreich in allen Karrierestufen und in allen Disziplinen einen stärkeren Stellenwert bekommen soll.


Mit freundlichen Grüßen



Mag. Gülay Ates, Präsidentin, doktorat.at


ANHANG I

Text des offenen Briefes der Initiative Transparente Wissenschaft, Stand 25. März 2011

Sehr geehrte Bundesministerin für Wissenschaft und Forschung,

österreichische Massenmedien berichten im Gefolge des bundesdeutschen Falles Guttenberg über ungeklärte Plagiatsverdachtsfälle an österreichischen Universitäten. Mehrere Kommentatoren der Qualitätspresse werfen der österreichischen scientific community vor, dass sich diese bislang nur unzureichend mit der Aufklärung von derartigen Anschuldigungen beschäftigt hat.

Uns geht es darum, die ehrlich arbeitenden österreichischen Studierenden, insbesondere DiplomandInnen und DoktorandInnen, aber auch die Post-Docs und HabilitandInnen zu schützen. Deshalb ist es uns ein Anliegen, dass in Österreich keine etwaigen Fälle von Plagiarismus oder Fälschung in der Wissenschaft verharmlost oder gar komplett in Abrede gestellt werden. Wir fordern daher eine lückenlose und insbesondere transparente Aufklärung jener Fälle, die in den vergangenen Tagen die heimischen Medien dominierten (Dissertation von Johannes Hahn an der Universität Wien; Diplomarbeit von Karl-Heinz Grasser an der Universität Klagenfurt). Wir erinnern auch an den Fall der teilplagiierten Habilitationsschrift von Vizerektor Hubert Biedermannan der Montanuniversität Leoben und fordern auch hier eine transparente Aufklärung, die ein universitätsinterner "Weisenrat" hinter verschlossenen Türen unseres Erachtens nur unzureichend geleistet hat.

Wir fordern weiter, dass die Verfahren sowie die Ergebnisse dieser Begutachtungsprozesse transparent gemacht werden, idealerweise durch eine Publikation im Internet. Es kann nicht länger sein, dass mehr oder minder eindeutige Plagiatsstellen bereits als Faksimiles in Tageszeitungen auftauchen oder konkrete Funde von Wissenschaftlern im Netz dokumentiert werden, aber die Entscheidungsfindungsprozesse und eingeholten Gutachten der Universitäten völlig intransparent bleiben. Open review und ein transparenter Umgang mit wissenschaftlichem Wissen sollten auch und gerade dann gelten, wenn der Verdacht besteht, dass dieses Wissen womöglich auf unredliche Weise zustande gekommen ist.

Letztlich geht es um den Schutz des Wissenschaftsstandortes Österreich und um eine Qualitätsoffensive für wissenschaftliche Abschlussarbeiten. Es wäre zu diskutieren, ob diese hinkünftig viel weniger nach quantitativen Kriterien (wie Gesamtseitenzahl, Anzahl der Fußnoten und Literaturtitel etc.) und viel mehr nach qualitativen Kriterien (wie Originalität der Fragestellung, eigene Interpretationsarbeit etc.) verfasst und beurteilt werden sollten.

Schließlich möchten wir, dass das Doktoratsstudium in Zukunft primär jenen vorbehalten ist, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben. Eine Doktorarbeit vom bezahlten Ghostwriter oder einen Doktortitel für Visitenkarte und Türschild darf es nicht mehr geben, weder in Österreich noch anderswo. Aber auch Bachelor- und Diplomarbeiten müssen ihren Wert wieder erlangen, der im Moment durch die Plagiatsdebatte gefährdet ist.

Es geht um den Wert und den Sinn unserer wissenschaftlichen Arbeiten und auch darum, dass akademische Grade nicht allgemein entwertet werden.

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